Michael Koflers Blog
Social Networking mit Ubuntu
Die Social-Networking-Funktionen zählen zu den Neuerungen in Ubuntu 10.04, über die in den ersten Tests am meisten zu lesen war. Dabei sind die Funktionen weder besonders genial noch wirklich ausgereift.
Social Networking unter Ubuntu 10.04 besteht aus drei Programmen, die teilweise miteinander verknüpft sind: dem Messages-Menü, dem Me-Menü und dem Micro-Blogging-Programm Gwibber.
Das Messages-Menü
Das Messages-Menü wird im Panel als Brief-Icon angezeigt. Es ermöglicht den Start der Programme Empathy (Chat), Evolution (E-Mail) und Gwibber (Nachricht versenden). Wenn diese Programme laufen, macht die Farbe des Icons auf eintreffende E-Mails oder Chat-Anrufe aufmerksam.
Leider ist das Messages-Menü gegenwärtig inkompatibel zu allen E-Mail-Programmen außer Evolution. Nicht einmal mit Evolution funktioniert das Zusammenspiel perfekt. Beispielsweise zeigt das Messages-Menü den Empfang neuer E-Mails nicht korrekt an, wenn Evolution die E-Mails via IMAP verwaltet. Thunderbird-Fans finden hier und hier Tipps, wie sie ihren E-Mail-Client behelfsmäßig in das Messages-Menü integrieren können.
Das Messages-Menü wird innerhalb der Applets Benachrichtigungsanzeige
(Paket indicator-applet) angezeigt. In diesem Applet werden unter anderem
auch die Lautstärke und der Bluetooth-Status angezeigt. Es gibt momentan keine
Möglichkeit, das Messages-Menü aus der Benachrichtigungsanzeige zu
entfernen. Das Kontextmenükommando Aus dem Panel entfernen löscht nicht
etwa das Messages-Menü, sondern gleich die gesamte Benachrichtigungsanzeige. Wenn Sie keinen Bedarf für das Messages-Menü haben, müssen Sie das Paket indicator-messages deinstallieren.
Das Me-Menü
Das Me-Menü befindet sich links neben dem Ein/Aus-Button und zeigt den
Namen des eingeloggten Benutzers an (eine ungemein wertvolle Information, die viel Platz im Panel verschwendet). Mit dem Menüeintrag Ihr-Login-Name können Sie persönliche Einstellungen ändern (Passwort, Bild etc.) Das Menükommando Chatkonten startet das Chat-Programm Empathy. Wenn Sie in diesem
Programm zumindest ein Chat-Konto einrichten, können Sie im Me-Menü Ihren
Chat-Status verändern (z.B. auf Beschäftigt).
Das Menükommando Nachrichtenkonten startet Gwibber (Details zu diesem
Programm folgen gleich). Wenn Sie darin zumindest ein Konto eines
Nachrichtendienstes (Twitter, Facebook etc.) einrichten, können Sie im
Texteingabefeld des Me-Menüs unmittelbar Nachrichten versenden (also ohne
Gwibber explizit zu starten). Ich habe allerdings keine Möglichkeit gefunden,
wie Sie bei mehreren Konten angeben, welcher Nachrichtendienst verwendet werden soll. Ubuntu One führt schließlich in den Ubuntu One-Einstellungsdialog.
Intern wird das Me-Menü als Bestandteil der Sitzungsanzeige (Paket
indicator-session) angezeigt. Dahinter verbirgt das das Ubuntu-spezifische
Applet zur Darstellung des Ein/Aus-Buttons sowie zum Sitzungswechsel. Es ist
nicht möglich, das Me-Menü aus der Sitzungsanzeige zu lösen. Das
Kontextmenükommando Aus dem Panel entfernen eliminiert die Sitzungsanzeige gleich mit. Wenn Sie keine Anwendung für das Me-Menü haben,
können Sie das Paket indicator-me deinstallieren.
Gwibber
Anwendungen|Internet|Gwibber startet das gleichnamige neue
Gnome-Programm. Es hilft dabei, Nachrichtenkanäle unterschiedlicher Micro-Blogging-Dienste gemeinsam zu lesen und neue Nachrichten zu versenden. Gwibber unterstützt die Nachrichtendienste von Twitter, Facebook, Flickr, StatusNet, Qaiku, FriendFeed, Digg und Identi.ca.

Wenn Sie mehrere Konten eingerichtet haben, können Sie mit den Icons in der Statusleiste angeben, an welche Konten eine neue Nachricht gesendet werden soll. Leider ist die optische Kennzeichnung, welche Konten gerade aktiv sind, nicht besonders gut gelungen. Bei der Eingabe von Nachrichten werden Links (URLs) automatisch verkürzt, wobei Sie mit Bearbeiten|Einstellungen|Meldungen zwischen verschiedenen Link-Verkürzdiensten wählen können (tinyurl.com,fs.gd, tr.im etc.)
Kritik
Die neuen Programme bringen Social Networking auf den Ubuntu-Desktop - keine Frage. Wer mit Social Networking nicht so viel am Hut hat, den wird die Zwangsbeglückung am Panel aber irritieren, zumal die neuen Panel-Elemente nur durch die Deinstallation der Pakete zu entfernen sind. Konfigurationsmöglichkeiten: Fehlanzeige (sozusagen in bester Gnome-Tradition).
Ärgerlich: Das Zusammenspiel des Messages-Menü mit Evolution funktionierte bei meinen Tests nur mittelprächtig, andere E-Mail-Clients werden gleich gar nicht unterstützt. Da ist noch viel Arbeit zu tun ...
Unlogisch: In Ubuntu 9.04 wurde das Update-Icon angeblich aus Platzgründen aus dem Panel eliminiert, jetzt wird das Panel mit neuen Elementen überfüllt, wobei Platz anscheinend keine Rolle spielt und so unwichtige Informationen wie der Login-Name dort angezeigt werden. (Wer nicht weiß, wie er heisst, ist dumm, bumm! Und sollte seinen Computer besser ausschalten. Frei nach Das kleine Ich bin Ich, das der Autor dieses Blogs öfters seinen Kindern vorliest :-) )
Ebenfalls unlogisch: die Aufteilung der Funktionen zwischen dem Messaging-Menü und dem Me-Menü. Das Eingabefeld von Kurznachrichten wäre im Messages-Menü sicher besser aufgehoben als im Me-Menü.