Autorenseite von Michael Kofler
GUI-Wahnsinn
2000 Pixel bzw. ein halber Meter Abstand zwischen dem Programmfenster und seinem Menü sind ein bisschen viel ...
Apple gilt als das Maß der Dinge, wenn es um die Gestaltung grafischer Benutzeroberflächen geht (Graphical User Interface = GUI). Aber nicht alles, was sich in der Vergangenheit bewährt hat, ist auch heute noch eine gute Idee. Besonders verrückt ist meiner Meinung nach das zentrale Menü: Es stammt aus einer Zeit, in der Bildschirme so klein waren, dass in der Regel alle Programme in maximierten Fenstern ausgeführt wurden.
Zeitsprung in die Gegenwart: Am Desktop sind heute 24-Zoll-Monitore der Standard, 30-Zoll-Monitore nicht mehr ungewöhnlich. Wenn auf einem solchen Bildschirm der Texteditor in einem kleinen Fenster rechts unten läuft, ist das Menü links oben unerreichbar weit entfernt. Wer da nicht sämtliche Tastenkürzel auswendig kennt, hat verloren! Eine effiziente Nutzung des Menüs ist schlicht unmöglich. (Noch schlimmer ist es, wenn das Programm in einem zweiten Monitor angezeigt wird.)
Ebenfalls enttäuschend: Es ist unmöglich, die Darstellung sämtlicher Oberflächenelemente (Menüs, Dialoge, Fensterinhalt etc.) zu vergrößern. Unter Linux und Windows kann dazu die DPI-Einstellung (Dots per Inch) geändert werden − ein wunderbares Hilfsmittel für alle, die nicht mehr so gut sehen oder deren Bildschirm zu weit entfernt aufgestellt ist. Apple hat eine vergleichbare Funktion lange versprochen, aber bisher nicht realisiert. Es gibt zwei Alternativen, die aber beide nicht praktikabel sind: den Bildschirm in einer geringeren Auflösung betreiben (liefert ein vergrößertes, aber unscharfes Bild), oder den Zoom-Modus zu verwenden: Die Vergrößerung wird mit <ctrl>+Mausrad / Touchpad eingestellt. Allerdings ist die Bilddarstellung auch hier ein wenig verschwommen, außerdem geht die Übersicht verloren, weil immer nur ein Ausschnitt des Bildschirms sichtbar ist.